Ein armer Bauer wollte sterben (Der Esel und die drei Herren)

Gedichte | 2011
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Ein armer Bauer wollte sterben.
Drei Söhne standen um ihn her.
Ach, meine Kinder! seufzte er,
Ich hinterlass euch nichts zu erben,
Als meinen Esel, und mein ganzes Testament
Ist dies: besitzt ihn unzertrennt,
Dem dien er heute, jenem morgen,
Und wer ihn braucht, mag ihn versorgen

Der Vater stirbt. Der Älteste muss
Den Esel wohl am ersten haben.
Von Früh bis in die Nacht lässt er den Schimmel traben,
An Futter nichts, an Schlägen Überfluss.
Mein Bruder, denkt er, hat ihn morgen zu ernähren,
Heut kann er wohl die Kost entbehren.


Der Zweite holt den matten Gaul,
Und überladet ihn mit Säcken:
Ha! ha! das Schmausen macht dich faul;
Man wird dich mit dem Knittel wecken.
Der Esel keucht mit dürrem Gaumen,
Und schleppt sich bis zum Stalle kaum.


Beim dritten Sohn die alte Plage.
Es gibt nicht lauter Feiertage;
Ein wenig Fasten ist gesund.
Ich merke schon, du wirst zu rund


Der Esel fallt vor Schwäche nieder,
und schnappt und reget sich nicht wieder

Text: Ludwig Heinrich Freiherr von Nicolai (1778)
in: Als der Großvater die Großmutter nahm (1885)

1778






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