Der weren twe Königskinner (1856, Ostfriesland)

Liebeskummer | Mundart, Niederdeutsch und Dialekte | | 2012
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Ostfriesisch

Der weren twe Königskinner
de hadden enanner so lef
bi nanner kunnen se nich kamen
dat Water wer vöels to dev

Du kanst je göt schwemmen min Leve
so schwemm denn heraver to mi
van Nacht sall en Fackel hier brannen
de Se to belüchten föer di

Der wer ök en falske Nunne
de schlek sük ganz sacht na de Ste
un damvte dat Lucht hüm tömal ut
de Königssöehn blef in de Se

De Dochter sprok to de Moder
Min Hart dat deit mi so ser
lat mi in de Lücht gän to wandeln
wol an de Kant van dat Mer

„Do dat min levste Dochter
man allen dürfst du nich gän
wäk up din Brör de jüngste
un de lat mit di gän “

„Och nä min Brör de jungste
de is so wild , dat Kind
de schütt na all de Vöegels
de an de Sekant sünd“

„Un schütt he denn all de macken
de wilden de lätt he gän
denn seggen gelik alle Minsken
dat het dat Königskind dän

Man Dochter min levste Dochter
allen dürfst du nich gan
wäk up din jüngste Süster
un de lat mit di gan“

„Och nä min jungste Süster
is noch en spöelend Kind
de löpt na all de Blömtjes
de an de Sekant sünd“

„Un plückt se denn all de roden
de witten de lätt se stan
denn seggen gelik alle Minsken
dat het dat Königskind dan

De Moder gung na de Karke
de Dochter gung an dat Mer
se gung so allen un so trurig
dat Hart dat de höer so ser

Och Fisker min gode Fisker
du süchst ik bin so krank
du kanst je un mußt mi helpen
sett ut din Fisknet to Fank

Hir hebb ik min Levste verlaren
wat ik up Erden hadd
man rik will ik di maken
kanst du upfisken de Schat

Föer jo will ik dagelank fisken
verden ik ok nix as Gottslon
He schmet sin Net in dat Water
wat fung he? de Königssöehn

Dar Fisker min levste Fisker
dar nim din verdende Lön
hier hest du min golden Ketten
un min demanten Krön

Se nem höer Levst in höer Arme
un küßde sin bleke Mund
Och trohe Mund kunst du spreken
denn word min Hart wer gesund

Se drückte hüm fast an höer Harte
dat Hart da de höer so ser
un langer kunn se nich leven
se sprung mit hüm in dat Mer

Diese Fassung der Königskinderballade bei J. R. Firmenich : Germaniens Völkerstimmen Band I. Berlin 1843 , S.15 — abgedruckt in Deutscher Liederhort (1856) Dazu von Ludwig Erk die folgenden, erläuternden Übersetzungen aus dem ostfriesischen ins Hochdeutsche:

1:  Der weren , es waren — twee, zwei —  leef, lieb — kamen, kommen —  vöels, viel —  te deep, zu tief — 2. heraver , herüber — van Nacht, heute Nacht — brannen, brennen — föer für 3.:  ook, auch —  falske, falsche —  Nunne, Nonne —  schleek,  schlich — sück,  sich — Stee, Stelle — dampte dat Lücht hüm tomal uut , löschte das Licht ihm auf einmal (plötzlich) aus —  bleef, blieb —  4.:  sprook, sprach —  Hart , Herz — deit, tut — seer,  wehe (engl sore) —  Lücht, Luft 5.: doh, tue — man, aber —  dürfst, darfst —  waak , wecke — Brör ,Bruder 6.:  nä, nein — schütt, schießt —  na, nach — Seekant, Seekante, Seeufer — 7.: maeken, die zahmen ( holl mak) — geliek, gleich 8.: Süster, Schwester 9.: spölend, spielend — lopt, läuft —  Blömtjes, Blümchen 10.:  witten,  weissen  11.: Karke, Kirche —  dee höer ,  tät ihr  — I2. süchst,  siehst —  sett uut,  setz (wirf)  aus — Fisknet, Fischnetz– to Fank, zum Fang — 13.:  verlaren,  verloren —  Schatt , Schatz — 14.:  föer jo, für euch — schmeet,  schmiß, warf — 15: bleeke, bleichen —  trohe, treuer —  weer , wieder —  17: fast, fest — hüm , ihm

1856

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