Der Müller ging spazieren aus (vor 1817)

Müller-Lieder | Raub-Mord-Totschlag | | 2012
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Der Müller ging spazieren aus
er ging bis an den Grunwald naus
begegnen ihm drei Räuber

Ei Müller liebster Müller mein
wißt ihr kein schwanger Fräuelein
wir wollen eine kaufen

Der Müller verschwört sein Leib und Seel
er nirgends von einer wissen will
bis er hatt selber eine

Der Eine griff in Schubsack nein
dreihundert Dukaten die warn sein
für seine schwangre Fraue

Ei Herre lieber Herre mein
für dreihundert Dukaten wird sie nicht sein
ihr müßt mir sie teurer bezahlen

Der Andre griff in Schubsack nein
fünfhundert Dukaten die warn sein
dem Müller für sein Fraue

Da hast da hast du Müller mein
fünfhundert Dukaten die sind dein
für deine schwangre Fraue

Und wie der Müller derheime kam
die Müllerin saß beim Ofenspan
ihr Herz tat ihr erschrecken

Ach Müllerin liebste Müllerin mein
ich hab heut kauft drei wilde Schwein
ihr müßt sie mir helfen eintreiben

Ach Müller liebster Müller mein
wie soll ich sie helfen treiben ein
ich kann kaum s´Ehn überschreiten

Und wie sie vor in den Grunwald kam
so sah sie wohl bald die drei Räuber stahn
ihr Herz tat ihr erschrecken

Ach Müller liebster Müller mein
und sind denn das die drei wilden Schwein
die ich dir soll helfen eintreiben

Ach Müllerin liebe Müllerin mein
wo wärn denn das die drei wilden Schwein
die du mir sollst helfen eintreiben

Der Eine greift in Schubsack nein
ein weißes Tüchlein das war sein
verbinden der Müllerin die Augen

Der Andre tat ein Würfelspiel
der Dritte schmiß das Messer hin
welcher wird denn ihr sHerz abreißen

Der Herr der ritt spazieren aus
er ritt bis vor den Grunwald naus
die Hunde wollen nicht bellen

Ach Knecht du liebster Knechte mein
was mag denn wohl da drinne sein
die Hunde wollen nicht bellen

Ach Herre liebster Herre mein
s ist wohl mein jüngstes Schwesterlein
ihr Herz ward abgerissen

Er schwang sie vor sich auf sein Roß
er ritt bis vor das hobe Schloß
mit Müllers seiner Fraue

Der Herr erließ ein scharf Gebot
Soll jeder Mann sich stelln ins Schloß
mit Weib und Kind und Gesinde

Es kam jeder Mann mit Weib und Kind
dazu mit ganzem Hausgesind
der Müller kam gar alleine

Ach Müller liebster Müller mein
wo hast denn du dein Fräuelein
die arme schwangre Fraue

Es ist schon heut der neunte Tag
daß ich sie zu Freunden geschicket hab
sie soll noch immer heim kommen

O Müller liebster Müller mein
da hast du liegen dein Fräuelein
die arme schwangre Fraue

Der Müllerin grub man ein tiefes Grab
den Müller flocht man auf das Rad
jedes Glied tun sie ihm brechen

Diese Fassung in: J.G. Meinert : Alte teutsche Volkslieder in der Mundart des Kuhländchens (1817) — Das Ehn = gedielter Fußboden , s´Ehn überschreiten : über das Zimmer gehen (Gehört zu eben, ebnen = ehmen in der Mundart)
in Deutscher Liederhort (1856) — 1817







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