Der heilig Herr sant Matheis

Bauernlieder | | 2006
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Bauernkalender


Der heilig Herr sant Matheis
Der schleußt uns auf die Thür
Um seinen Tag zerbrichts Eis
Der Pflug der kommt herfür
So naht es sich dem Sommer
Der Vögel Traum vergaht
Verlassen ihren Kummer
Krähen mit großem Brummer
Das macht die Habersaat.

SantJörg, der edel Ritter schon
Der bringet uns den Maien
Daß die Frauen und die Mann
Sehn mit einander reihen
Bald nach der österlichen Zeit
In Garten und im Haus;
Ein Katz ihn’n da im Sinne leit
Und ihn’n dann in die Ohren schreit:
Das Lied das heißt „Reu-auß“.


Lobt sant Walpurg, die Frommen
Die bringt uns neue Mär;
Ins Wirtshaus ihr viel kummen
Die Kirch die findt man leer;
In heimlichen Ecken
Da findt man Freuden viel
Sie lassen sich nit schrecken
Und leeren aus ihr Säcken
Mit Würfel- und Kartenspiel.


Wenn die Pfingsten fürhin gähn
So kummt der liebe sant Veit:
So heb wirs Tanzen wieder an
In manchem schönen Kleid;
Hoffart dann wieder fürhin geht
In Maiden und an Knaben;
Die Andacht und das heilig Bet
Die selig Zeit dahinten steht
Und muß alls Urlaub haben.


Wenn uns kummt sant Johannestag
So trink wir Meth und Wein;
Wer dann ein Obs gehaben mag
Der sparet nit das Sein
Darnach thun sie dann wallen
Das ist ein böser Sitt
Freundlich werden sie kallen
Und in die Büschlein fallen
Der Wein ist allweg mit.


Der lieb Heilig sant Jacob
Der füllet uns die Scheuren
Noch sind die Wucherer so grob
und alle Ding vertheuren;
Alles Getreids kaufen sie viel
Schütten die Kasten voll;
Das ist fürwahr ein böses Spiel
Wers wieder von ihn’n haben will
Der muß bezahlen wohl.


Der liebe Herr sant Bartholmä
Bringt uns Obs mancherlei
Das schmecket wohl, als ich versteh
Ein guter Wein darbei
Darnach die Bauren fast hinaus
hoch auf die Bäumen steigen
Und machen gute Hutzel draus
Die essen sie in ihrem Haus
Für gute wälsche Feigen.


Sant Mattheus und der ist gut
Bringt uns die reichen Trauben
So leg wir hin den Schaubhut,
Suchen die rauhen Hauben
Und laufen hin mit großer Eil
Zum Ofen auf die Bank
Beim Wirth ist uns gar kurz die Weil
Und laufen oft darnach ein Meil
Wol für den Kirchengang.


Sant Michael den soll wir ehrn
Der bringt uns neuen Wein
Darbet da wöll wir fröhlich wer’n
Darzu Gott dankbar sein;
Wiewol jetz Mancher nit begehrt
Dem er vor schmecket wohl
Eh daß man hat also beschwert
Geht viel darauf mit Wagen und Pferd
Mit Ungeld und mit Zoll.


Nun loben wir den Herrn sant Gall
Der bringt uns Rüben und Kraut;
So scharrn die Bauern und Bäurin all
Und feisten dann gar laut;
Welcher die größt Scharren macht,
Die hat den größten Biß
Wol bei dem Nocken in der Nacht;
Der Bauer und auch die Bäurin lacht
Wer thut den größten Schiß


Der liebe Herr sant Martein
Der füllet uns die Faß
All Jahr mit gutem Wein
So trink wir dester baß;
Und wenn allein die Wucherer
Ihm großen Wucher ließen,
Das war fürwahr ein gute Mär
Und gab uns Gott noch mehr daher
Dest baß möcht wirs genießen.


Nun will es leider gar nit sein
Als wir dann sind geschrieben
Und wenn der allerbeste Wein
Hat vor gegolten sieben:
So gar leicht, daß einer klagt
Der Wein der steht nit wohl;
Wenn man dasselbe weiter sagt
So ist das Volk alsbald verzagt
Und zahlt ihn dann gar wohl.


Wenn kummt der heilig sant Nicias,
Der heilig Himmelfürst,
So sticht man Säulein klein und groß
Und macht dann gute Wurst,
Und macht auch Brätlein groß und klein,
Die ißt ein Theil der Adel;
Wenn dann die Bauren voll sein
So feisten sie recht wie die Schwein
und laufen hintern Stadel.


Sant Thomas ist ein frummer Herr
Der bringt uns Schnee und Eis
So lauf wir zu dem Wirthshaus sehr
Und zu der Kirchen leis;
Den Wirth laß wir nit feiren
Er muß uns tragen auf
Von Wildpret, Fisch und Eiren
Auch Enten, Gans und Geiren:
Seht mit der Zahlung drauf.


Die lieb heilige Weihenacht
Die bringt uns große Weck;
Ein Freund sich zu dem ändern macht
Und füllen ihr Wampen-Sack;
Ins Wirthshaus sie dann treten
Da keinerlei nit fehlt;
Sie haben nit Lust zu beten
Hörn weder Meß noch Metten
Und spieln ums Opfergeld.


Die lieben heilgen König drei
Machen die Dienstmaid geil
Daß sie tanzen und springen frei
und bieten sich selber feil;
Wenn man ihr Fleisch mit Salz nit sprengt
So verdirbt es in der Frist
Aber ein ander List erdenkt
Und es an einen Nagel henkt
Der selbs gewachsen ist.


Sant Paulus ist ein heilig Mann
Der bringt uns viel der Braut‘
So sticht man dann die Töchter an
Und machet wieder Leut
Der Zeit der seind dieselben froh
Die lieben Töchter all;
Bald man ihn’n winkt, so seind sie do
Und schreien feindlich „mordio“!
Als ein Dieb sei in eim Stall.


Damach so kummt die heilig Fast,
Das sollt ihr merken eben,
So liegt uns auf ein schwerer Last:
Macht unser wildes Leben;
Das wir dann durchs ganze Jahr
Mit Sünden auf uns laden
Soll wir mit Andacht beichten klar
Dem Priester sagen offenbar
So eß wir fröhlich Fladen.


Die Lerch und auch die Nachtigall
Die treiben groß Geschrei;
Ein‘ Gesang das lob ich für sie all,
Das heißet „gacken ei!“
Das Hennlein Gsang das ist das Nest
Im Stadel und im Haus,
Kein besser Ding ich jetzund west,
Die Bäurin steigen zu dem Nest,
Nehmen die Eier heraus.


Man lobet uns den Chorgesang
Das ist heilig genug:
Ich lob der Baure Ackergang
Der singt hinter dem Pflug:
„Gottahin!“ das Gott berath
Mein allerliebster Herr;
Daß mir mein Pflug bald umher gabt,
Und daß mir heur aus meiner Saat
Mein Boden ganz voll wer‘!


Man lobt die Saitenspiel gar frei
Die also süßlich klingen:
Darfür lob ich das Schafgeschrei
Wenn sie Lämmer bringen
Darnach uns aber etwas wird
Hin nach des Weines Les
Und wenn ein Schaf das ander biert
Und man die Wollen von ihn’n schiert
So werden uns feist Kes


Man lobet uns den Glockenklang
wenn er so hell erklingt
Darfür lob ich des Kalb’s Gesang,
Wenn es der Metzler bringt
Und wird uns um die Pfenning,
Das dunket mich nitbös,
Wenn ich dann will in Freuden leben,
Ich schick ein Magd mit einer Kreben,
Die bringt mir Kopf und Kroß


Die löblich heilig Fastnacht
Die bringt uns Narren viel
Und daß ein Narr des andern lacht
Mit manchem Narrenspiel.
Mancher in der Fastnacht lauft
Verthut damit das Sein;
Man lobt jetz ein, der feindlich sauft,
Und um sein Geld nit anders kauft
Denn Frauen, Spiel und Wein.


Man lobt der Orgel süß Getön
Das klingt wohl in den Ohm:
Darfür lob ich ein Frauen schön
Die höflich kann gebarn
Mit züchtiglichen Sitten fein
Sucht ihren Schimpf herfür;
Kauf man ihr denn ein guten Wein
Sie thut ihm seinen Esel ein
Die Sack läßts vor der Thür.


Man lobt oft einen wilden Mann
Der den Leuten übel spricht:
Dafür lob ich ein‘, der wohl kann
Machen ein gut Gedicht,
Daß man damit die Leut nit schändt
Und fröhlich dabei wird.
Wer den Kunzen Hasen kennt,
Der wird in manchem Dicht genennt,
Hat dieß Lied corrigiert.


Mitte des 16. Jahrhunderts







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