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Denkst du daran mein tapferer Lagienka
daß ich dereinst in unserm Vaterland
an Eurer Spitze, nah bei Dubienka
viertausend gegen sechzehntausen stand
Denkst du daran, wie ich vom Feind umgeben
mit Mühe nur die Freiheit uns gewann
ich denke dran, ich danke dir mein Leben
doch du Soldat, Soldat, denkst du daran?

Denkst du daran wie wir bei Krakau schlugen
den Bären gleich, die keine Wunde scheun´n
wie wir den Sieg durch alle Feinde trugen
von dir geführt nach Krakaus Stadt hinein
Wir hatten keine kriegsgerechten Waffen
die Sense nur schwang jeder Ackersmann
doch machten wir dem kühnen Feind zu schaffen
o Feldherr, frisch, gedenkst du noch daran

Denkst du daran, wie stark wir im Entbehren
die Ehre allem wußten vorzuziehn
gedenkst du an das tückische Verschwören
meineid´ger Freunde, dort bei Scekrezyn?
Wir litten viel, wir darbten, doch wir schwiegen
die Träne floß, das treue Herzblut rann
und dennoch flogen wir zu kühnen Siegen
o sprich Soldat, Soldat, denkst du daran?

Denkst du daran, wie in des Kampfes Wettern
mein Säbel blitzte stets in deiner Näh´
als du verlassen von den Siegesgöttern
schon sinkend riefst: Finis Poloniae
Du sankst, mit dir des Landes letztes Hoffen
so vieler Heil in einem einz´gen Mann
daß damals mich dein Trauerblick getroffen
O großer Feldherr, denkst du noch daran?

Ich denke dran: Weh, meine Stimme zittert
und mir erbleicht der Freude letzter Glanz
ich seh im Sturm der Zeiten schon verwittert
dennoch geflochten unsern Lorbeerkranz
Geh du mit mir und sinkt mein Haupt darnieder
umfang ich einst den Tod als Held und Mann
dann schließe mir die müden Augenlider
und scheidend sprich: Soldat: denkst du daran

Text: Karl Holtei (1825) aus dem Singspiel “ Der alte Feldherr “ von Karl von Holtei  (1798-1880), Wechselgesang der in dem Singspiel auftretenden Figuren Thaddäus und Lagienka: Tadeusz Kosciusczko mit seinem Soldaten Lagienka). Holtei schrieb es nach einem französischen Lied von Émile Debraux von 1815, daß die napoleonische Armee und ihre Feldzüge verherrlichte: „Te souviens tu disait un capitaine“.
Der Unterschied der Strophe 5  in verschiedenen Versionen erklärt sich daraus, „daß Holtei sein  Stück nach der Niederschlagung des polnischen Aufstandes von 1830/31, auf Grund der inzwischen erschienenen Biographie T. Kosciuszkos von Karl Falkenstein, umarbeitete und in unserem Lied die anfängliche Schlußstrophe durch eine neue ersetzte“ (Steinitz II (1962)) Weitere Versionen und Nachdichtungen dieses Liedes

Musik: Melodie auf „Te souviens tu disait un capitaine“ , komponiert von Doche pére (Joseph Denis (1760-1825)

„Für die Beliebtheit und die Rolle unseres Liedes 1831 sei nur ein Zeugnis über den Empfang der durch Sachsen ziehenden Polen angeführt. „In Leipzig hatten sich 1200 Zuschauer zu einem für die Polen veranstalteten Konzerte im Gewandhaussaale eingefunden, das seinen stürmischen Höhepunkt erreichte, als das Nationallied „Denkst Du daran…“ ertönte. ( in: „Komet“ Beilage Nr.1 vom 7.1. 1832, zitiert nach Steinitz II (1962)

 auf die gleiche Melodie wird gesungen

u.a. in: Deutsche Volksstimme (1840) — Universal-Liederbuch (1841) — Deutsches Liederlexikon (1843) — Als der Großvater die Großmutter nahm (1885) — Badischer Liederhort (1910) — Volkstümliche Lieder (1895) — Polenlieder aus der Rheinpfalz (1917) — Liederbuch von Laura Härtel , Hainau , Schlesien (1919) — Steinitz II (1962)

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