Das war der Herr von Rodenstein

Trinklieder | | 2006
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Das war der Herr von Rodenstein
der sprach: „Daß Gott mir helf´,
gibt´s nirgend mehr ´nen Tropfen Wein
des Nachts um halber zwölf?.
Raus da! Raus da, aus dem Haus da!
Herr Wirt, dass Gott mir helf
gibt´s nirgend mehr ´nen Tropfen Wein
des Nachts um halber zwölf?“

Er ritt landauf, landab im Trab
kein Wirt liess ihn ins Haus;
todkrank noch seufzt vom Gaul herab
er in die Nacht hinaus:
Raus da! Raus da, aus dem Haus da!
Herr Wirt, dass Gott mir helf
gibt’s nirgend mehr ’nen Tropfen Wein
des Nachts um halber zwölf?“


Und als mit Spiess und Jägersrock
sie ihn zu Grab getan,
hub selbst die alte Lumpenglock
betrübt zu läuten an:
Raus da! Raus da, aus dem Haus da!
Herr Wirt, dass Gott mir helf
gibt’s nirgend mehr ’nen Tropfen Wein
des Nachts um halber zwölf?“


Doch, wem der letzte Schoppen fehlt
den duld’t kein Erdreich nicht;
drum tobt er jetzt, vom Durst gequält
als Geist umher und spricht:
Raus da! Raus da, aus dem Haus da!
Herr Wirt, dass Gott mir helf
gibt’s nirgend mehr ’nen Tropfen Wein
des Nachts um halber zwölf?“


Und alles, was im Odenwald
sein‘ Durst noch nicht gestillt,
das folgt ihm bald, das schallt und knallt
das klafft und stampft und brüllt:
Raus da! Raus da, aus dem Haus da!
Herr Wirt, dass Gott mir helf
gibt’s nirgend mehr ’nen Tropfen Wein
des Nachts um halber zwölf?“


Dies Lied singt man, wenn’s auch verdriesst
gestrengem Wirt zur Lehr
wer zu genau die Herberg schliesst
den straft das wilde Heer:
„Raus da! Raus da, aus dem Haus da!
Rumdiridi, Freijagt! Heidiridoh, Freinacht!
Hausknecht, hervor! öffne das Tor!
Raus, raus, raus!

Text: Victor von Scheffel vor 1886
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