Das Lamm und der Wolf

Gedichte | 2011
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Ein Lämmlein trank vom Frischen
An einem kühlen Bach
Da kam aus den Gebüschen
Ein Wolf und schlich ihm nach

Gleich sprach er zu dem Lamme
Was Hab ich dir getan
Der Bach ist trüb vom Schlamme
Daß ich nicht saufen kann


Das Lamm gab gute Worte
Und sprach du treibst nur Scherz
Fließt nicht von deinem Orte
Der Strom herunterwärts


Der Wolf ward überwiesen
Doch fing er wieder an
Dein Vater hat vor diesem
Mir Unrecht angetan


Ich ward vergangnen Winter
An Ehren angetast´t
Doch kam ich bald dahinter
Daß du gelogen hast


Im Winter war´s verbrochen
ei Wolf wo denkst du hin
es sind ja erst vier Wochen
daß ich geboren bin


So deutlich überführte
Den Wolf des Lamms Bericht
Doch alles dieses rührte
Des Mörders Herze nicht


Er sprach mit starker Stimme 
und sprach: Du hasts getan
Und finq darauf im Grimme
Das Lamm zu fressen an


Es treiben grosse Herren
Gar oft dergleichen Spiel
Die Unschuld mag sich sperren
So viel sie kann und will


Die Frommen gelten wenig
Die Armen leiden Noch
Den Weinberg nahm der König
Und Naboth schlug man er to

Text: Miehl ? von dem Verfasser der Grasmücke (1784)
„Über Entstehungszeit und Verfasser ist nichts Näheres bekannt. Das Lied war, besonders in der Schweiz , verbreitet. Bächtold nennt es unter den Lieblingsliedern Gottfried Keller s , „die er, wenn´s fröhlich herging, mit wohllautender Stimme sang“
in Als der Großvater die Großmutter nahn (1885)

1784
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