Brandenburg Brandenburg dieser Erzphilister

Freiheitslieder | | 2006
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Brandenburg, Brandenburg
dieser Erzphilister
„Bin ein Schlaukopf durch und durch!“
sprach er als Minister:
„Brandenburg, die schöne Stadt
keine Demokraten hat
Ja, da muß, so wahr ich bin!
Nationalversammlung hin!
Denn mein König will es so
Kann ja auch nicht schaden
Hat er selber doch gesagt:
Bin – von Gottes Gnaden!“


Aber ach, aber ach!
Unsre Volksvertreter
Wollen nicht solch bittre Schmach.
Sagen: Davon später!
Nein, wir bleiben in Berlin,
Hier kann nur die Freiheit blühn,
Edles Volk, steh du uns bei,
Bleibe den Vertretern treu,
Und du, tapfre Bürgerwehr,
Büchsen jetzt geladen,
Ja, zu Kreuze kriechen muß
Der – von Gottes Gnaden!


Wrangel kommt, Wrangel kommt
Hat Berlin belagert
Unsre junge Freiheit ist
Schon ganz abgemagert!
Bürgerwehr, die Waffen her!
Kladdradatsch erscheint nicht mehr
Alle Klubs, Vereine zu
Und um zehn Uhr geht zur Ruh.
Mehr als zwanzig, mehr als zehn
Heißt’s in den Plakaten
Dürfen nicht beisammen stehn
Jetzt – von Gottes Gnaden!

Bürgerwehr, Bürgerwehr,
’s doch jammerschade
Geht nicht mehr nach Tivoli
Macht nicht mehr Parade!
Aus den Kneipen um halb zehn
Soll man schon nach Hause gehn
An den Ecken kein Plakat
Keine Klubs, kein Demokrat
Keine Volksversammlung mehr
Keine Barrikaden,
Auf der Wacht nicht Bürgerwehr
Bloß – von Gottes Gnaden.


Unser Held, großer Held,
Hat den Schwamm gerochen,
»Treu dem Volke« hat er sich
Alleweil verkrochen!
Müller rührt sich auch nicht sehr,
Ottensoser red nicht mehr,
Buddelmeier mit’n Bart
Lieber das Papier jetzt spart.
Karbe, der Konditor, macht
Kuchen, Schokoladen,
Denkt bloß, wart, wir kriegen doch
Dich – von Gottes Gnaden!


0 Berlin, o Berlin,
Was bist du geworden?
Ach, durch deine Straßen riehn
Wilde Kriegeshorden!
Schutzmann, Tambour, Kavalier,
Grenadier und Füsilier,
Offizierchen, klein und nett,
Helme, Panzer, Bajonett,
Mordgewühl und Waffenspiel,
Bomben-Kanonaden,
’s Ganze ist ein Puppenspiel
Eins – von Gottes Gnaden.


Schwerter sind, liebes Kind
Haarscharf jetzt geschliffen
Kugeln in den Läufen sind
Haben schon gepfiffen!
In den Straßen wächst auch Gras
Lieber Wrangel, weißt du was
Fürchten uns noch lange nicht
Drohst du auch mit Kriegsgericht.
Machst du’s aber gar zu toll
Baun wir Barrikaden
Daß zum Teufel laufen soll
Der – von Gottes Gnaden!


Wartet man, wartet man
Ihr verdammten Fliegen!
Hütet vor den Klappen euch
Wenn wir euch nur kriegen!
Erst gebunden, dann gehenkt
Dann die Glieder euch verrenkt
Dann geschunden, dann geschröpft
Dann geknutet, dann geköpft
Wrangel, Strotha, Brandenburg
Immer fort mit Schaden!
Lange macht ihr’s doch nicht mehr
So – von Gottes Gnaden.


Text und Musik: Anonym – nach einem Flugblatt von 1848
vertont von Peter Rohland nach 1960

    
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