Auf lasst uns nach Stralau (Stralauer Fischzug)

Balladen und Moritaten | | 1830
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Stralauer Fischzug

Auf, lasset uns nach Stralau gehn
Man kann dort mit Vergnügen sehn
sehr viele Gegenstände
von Anfang bis zu Ende

Potz alle Welt! Seht nur einmal
so viele Tausend an der Zahl
die kommen angelaufen
und das in ganzen Haufen

Zu Fuß kann man durch Bemühn
kaum durch die lange Gasse ziehn
Versperrt durch Krüppel, Lahmen
die angezogen kamen.

Große Herren, galante Stutzer
Geizhälse und auch Schuhputzer
Kammerjungfern, schöne Kinder
Lumpenpack und Besenbinder

Handwerksbursche und Soldaten
Auch verdorbne Advokaten
Titular-Sekretäre
Auch verdorbne Feldscheere

Schöne Jungfern, Junggesellen
Stille Köpfe und Rebellen
Junge Väter und Großpapa
Sehr geplagt vom Podagra

Kupplerinnen und Koketten
Die dort werben durch Stafetten
Damen, zart und schön von Wuchs
Und mit Augen gleich dem Luchs

Gurkenjungen, Kuchenkrämer
Riemchenstecher, Geldabnehmer
Visatoren bei den Taschen
Suchen auch etwas zu haschen

Marketender sieht man fahren
Höcker auch in ganzen Scharen
Häßlich, schmutzig, jung und alt
Und von allerlei Gestalt

Alte Weiber, die scharmiren
tolle Köpfe, die prampiren
und das angenehme Chor
von Besoffenen kreischt vor

Modenträger, Schwedenzöpfe
Hin und wieder Patentzöpfe
Mancher trägt die Waden vorn
Mancher reit´ zu Fuß mit Sporn

Seht das Reiten und das Fahren
Groß und Kleine bringen Waren
Trödler mit und ohne Bart
jeder schreit nach seiner Art

Hat man dann nach ein´gen Stunden
Durch die Menge sich gewunden
Wird man hungrig, müd und matt
Und kriegt bald den Jubel satt

Aber weil man nichts gesehen
will man doch nicht rückwärts gehen
trinkt ein Gläschen Branntewein
und verjagt die Festespein

Ist der Nachmittag vergangen
so trägt mancher noch Verlangen
Trepetow zu besuchen auch
wie es sonst war der Gebrauch

Viele fangen an zu laufen
und bald sammelt sich ein Haufen
Springen schnell ins Schiff hinein
Heisa, lustig muß man sein

Ist man nun mit diesen Scharen
übers Wasser hingefahren
hört man Lärm und Nymphenjagd
und dies währt die halbe Nacht

Alles ist für Geld zu haben
Daß ihr euer Herz könnt laben
Kaffee, Kuchen und Zwieback
Habt ihr nur brav Geld im Sack

Geld wird hier genug vergeudet
wenn auch alles andere leidet
Weib und Kindern fehlet Brot
schmachten oft in großer Not

Aber wer in unsern Tagen
wird nach solchen Dingen fragen
Fängt man´s nur recht listig an
heißt man doch ein kluger Mann

Doch das Fest geht nun zu Ende
Also schließ´ ich auch behende
Was ich hab in Reime bracht
Drum für heute: Gute Nacht

Text und Musik: Verfasser unbekannt –
Flugblattlied auf den Stralauer Fischzug vom ersten Drittel des 19. Jahrhunderts – es gibt auch ein Gedicht von Achim von Arnim.
in Mutter der Mann mit dem Koks ist da (1977, gekürzt)

Am 23. Februar 1574 verfügte Kurfürst Johann Georg, daß auf allen märkischen Flüssen und Seen von Gründonnerstag bis zum Bartholomäustag nicht mit groben Garnzügen gefischt werden durfte. So wurde der 24. August (Bartholomäustag) zum Tag des „Anfischens“ und zum Feiern . (Ursprung des beliebten Volksfestes „Stralauer Fischzug“). Seit 1780 ist auch die Teilnahme von Berliner Bürgern am „Stralauer Fischzug“ urkundlich belegt. Am 23. Juli 1873 wurde der „Stralauer Fischzug“ vom Stralauer Ortsvorstand wegen des orgiastischen Treibens auf dem Friedhof verboten.

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