Auf ihr Reichen auf ihr Armen auf und nach Amerika

Auswandererlieder | | 1900
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Auf, ihr Reichen, auf, ihr Armen
auf und nach Amerika
Hier ist´s nicht mehr auszuhalten
hört´s doch alle, fern und nah

Hier ist Armut, Not und Schmerzen
dort ist auch das Leiden süß
Liebe glüht aus allen Herzen
wie einst dort im Paradies

Für den Landmann, welche Freude
wachset dort die Fülle Brot
mähen braucht er kein Getreide
dennoch keine Hungersnot

Denn die Halme wachsen dorten
größer als die Tannenbäum
Ja, fürwahr, an manchen Orten
fällt der Halm zum Schornstein rein

Und so tut es sich vermahlen
gleich dem feinsten Beutelmehl
Ja man darf noch besser prahlen
Aus der Erde fließt das Oel

Und von diesem Oele strömen
Bäche durch das ganze Land
Wein kann man die Fülle haben
ohne Geld und Mühehand

Denn die Reben wachsen dorten
mitten auf der halben Straß´
Beeren — ja an manchen Orten
größer als ein Wasserfaß

Wenn sich diese Beeren keltern
welch ein Wunder — glaubt es doch
fließt der Wein in allen Wäldern
beinah dreihalb Klafter hoch

Und der Wein, der ist im Grunde
stärker als der Spiritus
nur ein Tröpfchen in dem Munde —
zeigt sich schon der Gottverdruß

Was gibts dort für prächt´´ ge Häuser
siebenstöckig sind sie hoch
Und die Menschen sind noch weiser
als der König Salomo

Fensterscheiben gibt es dorten —
nicht wie hier im russischen Reich
ja, ich sag nur Wahrheitsworte —
alle dem Kristalle gleich

Die Türen sind von bestem Leder
fester als der Diamant
jedes Haus steht auf vier Räder
kannst es ziehn von Land zu Land

Welschkornstengel gibt es dorten
gleich der größten Fichtenstang
Wenn ein Kolben fällt herunter
ist er gleich drei Ellen lang

Hirsen, der ist auserlesen
Kömer wie ein Trappgansei
jeder Stengel gibt drei Besen
jedes Kom ein Hirsebrei

Die Kartoffel wächst auch prächtig
drei, vier Pud wohl an Gewicht
und es ist kein Mensch nicht mächtig
daß er sie vom Stock abbricht

Äpfel, Birnen, Pflaumen, Feigen
wachsen dort in größter Saat
ihre Größ ist zu vergleichen
einem großen Wagenrad

Würste wachsen dort auf Bäumen
manche sechzig Faden lang
Schinken bricht man aus der Erde
wie die Steine mit der Stang

Pferde braucht man nicht zu kaufen
die sind dort im Lokotel, (?)
will man nicht zu Fuße laufen
ruft man, kommt ein Dutzend schnell

Jedes tut sich niederbeugen
gibt die Zügel in die Hand
trägt den Sattel auf dem Rücken —
nur aufgesetzt und abgerannt!

Mancher denkt, es sei gelogen
mancher sucht die neue Welt
mancher ist schon hingezogen
möcht zurück und hat kein Geld

Drum hört, ihr Brüder und ihr Schwestern
so geht es in Amerika
drum, wer hier ist, der macht am besten
er kennt ja kein Amerika

Denn jeder kann sich selber denken
daselbst ist auch kein Paradies
man kann ja auch nichts Beßres finden
das ist die Wahrrheit ganz gewiß

Text und Musik: anonym , Volkslied
in Liederbuch der Bessarabien-Deutschen (1963)

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