Armut und Demut führen zum Himmel

Märchen | 2006
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Es war einmal ein Königssohn, der ging hinaus in das Feld und war
nachdenklich und traurig. Er sah den Himmel an, der war so schön rein und blau,
da seufzte er und sprach »wie wohl muß einem erst da oben im Himmel sein!« Da
erblickte er einen armen greisen Mann, der des Weges daherkam, redete ihn an und
fragte »wie kann ich wohl in den Himmel kommen?«. Der Mann antwortete »durch
Armut und Demut. Leg an meine zerrissenen Kleider, wandere sieben Jahre in der
Welt und lerne ihr Elend kennen: nimm kein Geld, sondern wenn du hungerst, bitt
mitleidige Herzen um ein Stückchen Brot, so wirst du dich dem Himmel nähern«.
Da zog der Königssohn seinen prächtigen Rock aus und hing dafür das
Bettlergewand um, ging hinaus in die weite Welt und duldete groß Elend. Er nahm
nichts als ein wenig Essen, sprach nichts, sondern betete zu dem Herrn, daß er
ihn einmal in seinen Himmel aufnehmen wollte.

Als die sieben Jahre herum waren, da kam er wieder an seines Vaters Schloß,
aber niemand erkannte ihn. Er sprach zu den Dienern »geht und sage meinen
Eltern, daß ich wiedergekommen bin«. Aber die Diener glaubten es nicht,
lachten und ließen ihn stehen. Da sprach er »geht und sagts meinen Brüdern,
daß sie herabkommen, ich möchte sie so gerne wiedersehen«. Sie wollten auch
nicht, bis endlich einer von ihnen hinging und es den Königskindern sagte, aber
diese glaubten es nicht und bekümmerten sich nicht darum. Da schrieb er einen
Brief an seine Mutter und beschrieb ihr darin all sein Elend, aber er sagte
nicht, daß er ihr Sohn wäre. Da ließ ihm die Königin aus Mitleid einen Platz
unter der Treppe anweisen und ihm täglich durch zwei Diener Essen
bringen.  Aber der eine war bös und sprach »was soll dem Bettler das gute
Essen!«, behielts für sich oder gabs den Hunden und brachte dem Schwachen,
Abgezehrten nur Wasser; doch der andere war ehrlich und brachte ihm, was er für
ihn bekam.

Es war wenig, doch konnte er davon eine Zeitlang leben; dabei war er ganz
geduldig, bis er immer schwächer ward. Als aber seine Krankheit zunahm, da
begehrte er das heilige Abendmahl zu empfangen. Wie es nun unter der halben
Messe ist, fangen von selbst alle Glocken in der Stadt und in der Gegend an zu läuten.
Der Geistliche geht nach der Messe zu dem armen Mann unter der Treppe, so liegt
er da tot, in der einen Hand eine Rose, in der anderen eine Lilie, und neben ihm
ein Papier, darauf steht seine Geschichte auf geschrieben. Als er begraben war,
wuchs auf der einen Seite des Grabes eine Rose, auf der anderen eine Lilie
heraus.







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