An eines Bächleins Ufer stand (Der fromme Hirt)

Weitere Volkslieder | | 2007
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An eines Bächleins Ufer stand
ein Bäumchen schlank und kraus
Hier kor am weichbemoosten Rand
ein Hirt sein Plätzchen aus

Im Blattgesäusel mild und kühl
umweht´ ihn süße Ruh
Und freundlich nickt im Wellenspiel
des Bäumchens Bild ihm zu.


Doch ach! Vom Hochgebirge quoll
des Wassers trübe Flut
und auch im Tale braust´ und schwoll
hoch auf des Bächleins Wut


Das arme Bäumchen bebte sehr
und schwankte auf und ab
Das Bächlein aber wild umher
dem Bäumchen wühlt´ ein Grab


Und als die Wasserflut verschwand
da kam der Hirt heran
Und ach! Sein armes Bäumchen fand
und blickt´ es traurig an


Und zog das Bäumchen sanft hinaus
und hob es rasch empor
Da stand das Bäumchen schlank und kraus
und schattig wie zuvor


Und horch! vom Bäumchen wundersam
erscholl ein süß Getön
Das  Bächlein strahlte sieh’´ es kam
ein Jüngling wunderschön


Er stieg empor aus heller Flut
und sprach mit sanftem Ton
„Du warest liebevoll und gut
dein Wunsch sei auch dein Lohn!“


„Nein,“ rief der fromme Hirt, „nicht Dank
noch Lohn gebühret mir
Sieh´, unser Nachbar ist so krank
für ihn, ach, fleh´ ich dir!“


„Er soll genesen!“ sprach darauf
des Engels holder Mund.
Da kam der Hirt in frohem Lauf
der Nachbar war gesund


Text: Friedrich Wilhelm Krummacher (1796-1868) 
Musik: August Harder (1775-1813)
in “ Schulgesangbuch für höhere Lehranstalten „







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