Als Leipzigs Tore noch bemannt

Soldatenlieder | | 2008
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Als Leipzigs Tore noch bemannt
mit Stadtsoldaten wie bekannt
verhöhnt von den Studenten
Da standen zwei von diesem Corps
auf Schildwach vor dem Peterstor
den Strickstrumpf in den Händen

Wie sie so auf- und niedergehn
da spricht der eine und bleibt stehn
„Kann´s Loofen nich vertragen
mein Bruch tritt sonstens wieder ´raus
kumm, setz mer uns ins Schilderhaus
da will ich dir och was sagen“


Als sie gepflanzt auf ihren Sitz
da spricht der alte Parchewitz
mit rotem Schnapsgesichte:
„Mich dürscht doch werklich gar zu sehr
Kumm reich´ mer erscht die Pulle her
dann höre die Geschichte“


Drauf nahm er einen tücht´gen Schluck
und, als er dacht, es sei genug
erzählt er seine Taten
„Ich stand doch zwölfe, wie ihr wißt
als achtzehnpfünd´ger Artollerist
uf Dresdens Pallisaden“


Kam eenes Abend – es war just
am siebenundzwanzigsten August
Napolium geritten
Der zog sein Perspectivche ´raus
und guckte ei de Ferne ´naus
wo just die Feinde stritten


Da sprach er: Wer ist unter euch
der beste Schütz und schießt mer gleich
ei de verwünschten Russen?
Da schrien alle: Parchewitz –
dir hat schon unterm ollen Fritz
zwe Terken bald erschussen!“


Druf sprach Napolium: Parchewitz
richt dein Geschütz nach Reckewitz
in jenen tichten Trippel
durt links, wo Morraus Denkmal steht
und garnich auseinander geht
schieß mer die Kerls zu Krippel


Ich richt´ der nu ooch gleich mei Stück
und schuß der nu so uf gut Glück
weeß Gott, wohl in die Ferne
Da flogen der – ich bin een Schuft –
zwee lange Beene in die Luft
die fulen erst bei Berne (Pirna)


Da sprach Napolium: „Potz Blitz!
Du bist a Luder, Parchewitz
der Schuß war werklich scheene
Das hast du herrlich angepaßt
Doch weeßt ooch, wen du getroffen hast?
Das waren der Morreau´s Beene!


Die Russen loofen ja wie dull
und Alexander macht paschull
der ist mir zwar entrunnen
Das aber muß ich frei gestehn
du Parchewitz, hast ganz alleen
die heut´ge Schlacht gewunnen!“


Drauf zog er seinen Beitel vor
und gab mich ´nen Napoliumd´or
Kaum, daß er´n mer gegeben
da traten mer alle in´s Gewehr
und schrien: Vive l´empereur!
Napoleum soll leben!“


Text und Musik: unbekannt
in Feuerwerker-Liederbuch (1883), Nr. 4

 

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