Ach ich bin wol ein armer Baur

Bauernlieder | | 2006
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Ach ich bin wol ein armer Baur
Mein Leben wird mir mächtig saur
Ich mein, ich könn oft nimmermehr:
Ach daß ich nie geboren wär!

Mein, horcht mir nur ein wenig zu:
Mit Wyden bind ich meine Schuh
Kein Frucht hab ich schier in der Scheur
Und muß doch geben meine Steur.

Vor Weihnachten iß ich auf,
Das Vieh ist auch im wohlfeilen Kauf
Hergegen sind die Handwerksleut
Gar teur, helf Gott dem, der mir beut (leiht)

Die Contributz (Grundsteuer), das greulich Tier
Macht, daß ich muß entlaufen schier;
Der Waibel gheit (Büttel plagt) mich alle Tag:
Ich halt, es sei kein größer Plag.

Mein Amtmann helgt (behelligt) mich überaus
Er legt mich oft ins Narrenhaus
Wer gibt mich nun bei ihm so nahn (an) ?
Ich sorg, der Waibel hats getan.

Der Schultheiß ist mir auch nit hold;
Ich weiß wohl, wo ichs hab verschuldt
Ich sagt nur: Er frißt ab der Gmeind.
Jetzt ist er mir von Herzen feind.

Der Pfarrherr weist uns zur Geduld
Und sagt, es sei der Sünden Schuld
Er sieht, daß er sein Zehenten hab
Das Wetter schlag auf oder ab.

Ich muß auch immer Frondienst tun
Und hab doch nicht ein Schnell (ein Bißchen)  davon
Ich wollt, daß der am Kragen hingt,
Der erstlich die Beschwerd anfing.

Ich hab ein‘ Knecht; man hat mir gsagt
Der Lecker schlupf mir zu der Magd.
Auf dreißig Gulden kommt sein Lohn
Und hab doch Sorg, er lauf davon.

Im Sommer schaff ich, wanns so heiß
Daß ob mir steht der kalte Schweiß
0 dann, o Pein, muß ich zur Nacht
Den wilden Säu erst halten Wacht.

Ich hielt nächst Maur – und Zimmerleut
All Tag ging drauf ein Viertel Treit (Getreide)
Darzu ein halber Eimer Bier:
Wann ich dran denk, so gschwindt (schwindelt) mir schier.

Drumb ist mein Säckel aller leer
Aun wenn ich nur nichts schuldig wär
Verwalter, Pfleger (Verwalter eines geistlichen Stifts) und der Jud
Die nehmen mir oft schier den Hut.

Ich hab drei Roß, ist keins nichts wert;
Das eine hinkt mir heur und fert (voriges Jahr)
Das ander hat kein Zahn im Maul
Das dritt ist blind, darzu mistfaul.

Hab auch drei Küh,doch nur umbs halb
Dem Metzger ghört auch schon das Kalb;
Darzu hab ich kein Stroh noch Heu
Das Laub im Wald ist meine Streu.

Ich hab kein Holz vor meinem Haus
Versetzt ist das im Wald daraus
Es raucht mein Off (Ofen) und regnet ein:
Es könnt ja je nicht schlimmer sein.

Mein Wagen auch keine Leitern hat,
Am Pfluge mangelt auch ein Rad
Die Egge hat auch nur acht Zähn
Und darf zu keinem Wagner gehn.

Der Schmied, Seiler und solche Leut
Der Sattler auch, mir keiner beut (leiht)
Es sei dann, daß ich sie vorzahl
Ja wann ichs hätt, ich hab kein Wahl.

Als ich ein Knecht, trug ich zum Tratz (Trotz)
Ein hirsches (hirschledern) Kleid mit einem Latz;
Jetzt da ich haus (wirtschafte) und bin ein Mann
Hab ich nur zwilche Hosen an.

Der Schuster wär auch gerne zahlt
Ich gib ihm weders neu noch alt;
Drumb muß ich jetzt schier barfuß gehn
Man sieht mir ja die bloße Zehen.

Mein Hut ist löchericht überaus
Als wann die Mäus drin hielten Haus;
Der Hüter borgt mir auch nicht gern:
Was hab ich dann für Glück und Stern!

Führ ich schon Obs (Obst) ’nein auf n Markt
So pressen mich die Leut so stark
Daß ichs muß halber schenken hin
Wann ich dann schaue zum Gewinn

Dann laufen d’Schuldner her zu mir;
Der ein‘ reißt da, der ander hier
Dies treiben sie ein lange Weil
Bis ich mein Geld mit ihnen teil.

Bleibt mir nun etwas übrig dran
So kauf ich drumb, so viel ich kann
Salz, Kerzen, Karrensalb und Schmär;
Dann ist der Säckel wieder leer.

Und weiß kein Heller zum Gewinn
Es sei dann, daß ich Schneller (Garnbinde von 400 Fäden) spinn
Doch ist noch eines, das mich plagt:
Ich muß den Winter auf die Jagd.

Ich bin auch in der Auswahl mit
Ich trag ein Pick im vierten Glied
Man trillt mich oft, ich muß hinaus
Es geh nun, wie es wöll, im Haus.

Im Wirtshaus war mir trefflich wohl
Wann ich wird Bier und Tabak voll;
Doch borgt der Wirt mir nimme-mehr,
Ich geb dann einen Acker her.

Jetzt über alles hab ich noch
Daheim ein überschweres Joch;
Was meint ihr wohl, daß dieses sei?
Es ist mein Weib voll Schelmerei.

Sie hält allzeit das Widerspiel
Sie tut mit Lust, was ich nit will.
Sie trägt mir’s Mus in d’Stuben nein
Und brocket böse Wort darein.

Ich wollt, sie wär im Himmelreich
So geb sie mir, ich ihr kein Streich;
Den Hader macht das lose Geld
Sonst stünds viel besser in der Welt.

Das ist nun kürzlich (in Kürze) meine Klag,
Wiewohl ich kaum die Hälfte sag;
Es glaubts kein Mann, als der’s erfährt
Wie jetzt der Baursmann ist beschwert.

Wer ist, der uns dies Liedlin sang?
Ein schwäbischer Bauer ist er genannt
Er hats gesungen und wohl bedacht
Er wünscht allen Bauren ein gute Nacht.

Text von 1761 –
Musik: Man singa oder sags, so ist es doch wahr, etc. / Oder: Wie man den Bayerischen Bauren singt….“
aus Staatsbibliothek Berlin Ye 1761 = Bolte, Bauer Nr. 8 A S. 31ff. : „Zwey schöne newe weltliche Lieder / Das Erste: / Die Schwäbische / Bawren-Klag, / Wie sich der Baur beklagt wegen der / grossen Contribution vnd Beschwänussen. / Im Thon: / Man singa oder sags, so ist es doch wahr, etc. / Oder: / Wie man den Bayerischen Bauren singt….“ o. 0. u. J. (17. Jh.).

Das für die Melodie angeführte Lied vom Bayrischen Bauern ist ein 1632 entstandenes Gespräch zwischen einem Soldaten und einem Bauern: ,Gott grüss dich, lieber Bayrischer Bauer‘  – 24 Str. (Berlin Ye 1501 und 1749). (Bolte, Bauer).

nach Steinitz I, S. 51 f – die schwäbische Bauernklage

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