Ach Gott sprach Hans (Der gelehrige Bauer)

Gedichte | 2012
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Ach Gott sprach Hans, ein Bauerssohn
zu einem lustigen Patron
ach Gott mir kräuselt´s in den Haaren
ich soll, ich soll —
nun was denn, sprich
ach Gott ich soll Franzosen fahren
und diese Herrn verstehn nicht mich
und ich versteh nicht ihre Sprache

Das ist wohl eine rechte Plage
versetzt der andre, folg nur mir:
Wenn einer der Franzosen dir
etwas befiehlt, horch auf: dann sage
Qui bougre! allemal darauf
und laß den Pferden ihren Lauf


Qui bougre! schreit der Bauersmann
nun Gott sei Dank, nun wird es gehen
nun können Sie mich doch verstehen
wie gut, wenn man Französisch kann


Beherzt sitzt er nun auf den Pferden
und harrt mit aufgesperrtem Mund
Der Dinge, die da kommen werden
ein Lärmen tut die Krieger kund
Mit Sacre Nom de Dieu! besteigen
den Wagen sie mit raschem Schritt
Zum Aufbruch geben sie das Zeichen
He, Bauer, he! Tout de suite, tout de suite!


Qui bougre! schreit mit Wohlgefallen
mein Hans. Hui, sind die Säbel blank
und alle Ladestöcke knallen
auf seinem Rücken schönen Dank
Hans duldet´s , läßt die Pferde laufen
beim nächsten Wirtshaus schreit die Schar:
Restez done! Bauer wllen saufen
Qui bougre! Hänschens Antwort war
Plauz! Fallen tausend Donnerschläge
auf den schon wunden Rücken hin
er trägt sie mit ergebnem Sinn
und fährt dann weiter seine Wege


So kommt man endliuch hin zum Ziele
He, Bauer, arretez ici!
Hans schmeckt im süßen Vorgefühle
zwar wiederum schon Prügel, wie
zuvor, doch man muß Antwort geben
Qui bougre Stottert er, und hu!
Die Säbel schwirren raus und schweben
schon wieder seinen Schultern zu
So wird auf meines Hänschens Rücken
gedroschen endlich das Final
mit blauem Leib und nassen Blicken
kehrt er zurück insd Heimattal


Nun Hans! schreit alles mit Verlangen
nun sag, wie ist dir´s denn ergangen
Qui bougre! Gott sei Dank, recht gut
spricht Hänschen, drückt ins Aug den Hut
und rüttelt sich und wischt die Wangen
wie git daß ich Französisch doch
ein bischen wenigstens gesprochen
sonst hätten mir die Herren noch
ich wette, gar den Hals gebrochen

Text: Johann Heinrich Kärner (ca. 1813)
in Als der Großvater die Großmutter nahm (1885)

1813






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