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Erziehung zum Krieg

Ein Kriegspielen soll es sein und zwar ein Kriegspielen der Kleinen auf dem Schulhofe. Worin könnte dasselbe bestehen? Ich will nur einige Fingerzeige geben; der einzelne Lehrer jeder kleinen Kinderschar kann ganz nach seinem Ermessen noch mehr und anderes sich ausdenken und mit seinen Kleinen vornehmen.

Es ist bekannt, wie gern die Knaben.. .sich einen sogenannten Schützenhut herstellen, der natürlich in ihrem Sinne einen Soldatenhelm vorstellen soll, sich ebenso mit Vorliebe einen Säbel aus Holz zusammenrichten, den sie mit „männlichem“ Stolze und Mute zu tragen wissen. Der eine oder der andere hat wohl auch dazu eine Flinte oder  Trompete oder eine Trommel liegen. Daran knüpfe man an. Man lasse die ganze Klasse einen „Soldatenhelm“ sich falten und k1eben (das kann in der Schule geschehen) und auch zu Hause einen Säbel und eine Flinte in einfachster Form sich bauen…

Wer dazu einen Ranzen hat, hockt ihn auf – wie geschaffen zum Tornister. Vielleicht kann auch eine Fahne zur Stelle sein. Wenn die „Truppe“ so „kriegsmäßig“ ausgerüstet ist, geht es hinaus auf den „Kriegsschauplatz“, auf den Schulhof. Hier wird zu Vieren anqetreten, denn Soldaten halten Ordnung. Einstweilen ist der Lehrer der „Hauptmann“; später kann diese Rolle der geweckteste Knabe in der Klasse übernehmen. Auch kann man sehr gut die Aussicht, „Hauptmann“ zu sein, als Ansporn und Triebfeder im Unterrichte verwerten. Hiernach darf jeder, der sich durch Fleiß und Aufmerksamkeit und Ordnungsinn und Wohlverhalten vor der Klasse auszeichnet, einmal die „Führung“ der „Truppe“ übernehmen, wobei ganz nach der „Güte des Führers“ der Selbständigkeit desselben Rechnung getragen wird.

Jetzt beginnt das Marschieren. Es wird jedoch nicht einfach darauf. losmarschiert, sondern auch der Marsch vollzieht sich in straffer Ordnung. Das geht natürlich nicht ohne weiteres. Da wird eben erst geübt. Immer aber wird dabei den Kindern der Hinweis auf die wirklichen Truppen geboten, damit ihnen der Zweck der soldatischen Übung einleuchtet. In gewissem Maße wissen sie das ja sowie so von selbst… . Bald marschiert die „Truppe“ im „Feindeslande“ ein. Hier wird der „Feind“ sichtbar, der sich „zum Kampfe stellt“. Drüben liegt ein „Damm“ oder ein „Gehölz“ oder auch ein „Dorf“. Der „Feind“ (einige vorher aus der Truppe ausgeschiedene Knaben) führt zum Unterschiede einen roten Streifen am „Soldatenhelm“. Hüben wird nun „ausgeschwärmt“. „Kampf“. Schließ!ich „besetzen“ wir den „Damm“ oder das „Gehölz“ oder das „Dorf“… .Ich breche hier ab; weiteres läßt sich leicht dazu ausdenken….

P.Silbermann , Harthau b. Chemnitz , in: Deutsche Schulpraxis , Wochenblatt für deutsche Lehrkunst , für Geschichte und Schrifttum der Erziehung und des Unterrichts , Jg. 1916 , Nr. 36 , S. 142f.







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