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An einem Berliner Gymnasium 1913-1914

In unserem diesjährigen Bericht müssen die patriotischen Gedenktage voranstehen Unsere Schüler, von denen manche an den Feiern durch eigene Darbietungen sich beteiligen, haben bleibende Eindrücke gewonnen und werden – das dürfen wir zuversichtlich erwarten – auch im späteren Leben durch die Tat beweisen, daß sie wissen, was sie dem Vaterlande zu leisten schuldig sind.

Über die Hauptfeier der Erinnerung an das Jahr 1913 ist bereits in der voriqen Chronik berichtet. Es war für unsere Schüler ein großer Gewinn, daß jene Hauptfeier gerade im März stattfand. Denn keine Schule hat vor 100 Jahren eine so große Anzahl Schüler in den Befreiungskrieg entlassen wie die unsere, und vielerorts im deutschen Vaterland ist bei der Erinnerungsfeier des grauen Klosters gedacht worden. Zu den Mitteilungen des vorigen Berichtes ist noch nachzutragen, daß eines der bekanntesten und volkstümlichsten Lieder der Zeit, das auch Treitschke in seiner Geschichte des 19. Jahrhunderts (I, 397) erwähnt, von einem Schüler des grauen Klosters verfaßt ist. Die erste Strophe des Liedes lautet:

Mit Mann und Roß und Wagen
so hat sie Gott geschlagen.
Es irrt durch Schnee und Wald umher
das große mächtge Frankenheer.
Der Kaiser auf der Flucht
Soldaten ohne Zucht
Mit Mann und Roß und Wagen
so hat sie Gott geschlagen
(ganzer Text)

Der Verfasser war der Primaner Ernst  Ferdinand August , welcher im März 1813 aus der Prima des grauen Klosters abging und ins Lützowsche Corps eintrat. Er starb als Direktor des Kölnischen Gymnasiums im März 1870 (vergl. den Jahresbericht des Kölnischen Gymnasiums 1871).

Das 25 jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät   des   Kaisers wurde am 16. Juni in der Aula gefeiert. Die Festrede hielt der Direktor. Am Sedanfest unternahm die ganze Schule einen Ausflug nach Neptunshain an der Spree. An der Festfahrt auf zwei Dampfern beteiligten sich auch viele Angehörige der Schüler. Gesänge und Wettrudern der Schüler und eine Ansprache des Direktors begleiteten die Feier. Am 4. Juni nahm die ganze Schule in Tegel teil an der Aufführung des von Kurt   Delbrück gedichteten Festspiels „Das   Volk steht auf – der Sturm   bricht   los“. Die Kosten hatte das Direktorium der Streitschen Stiftung bewilligt.

Die Jahrhundertfeier der   Schlacht   bei   Leipzig veranstalteten wir am Abend des 17. Oktober, um den Schülern in Lichtbildern das neue Leipziger Denkmal zeigen zu können. Andere Denkmäler vom Herrmann im Teuteburger Walde bis zum Barbarossa auf dem Kyffhäuser und dem Bismarck in Hamburg wurden damit verglichen und ihre geschichtliche Bedeutung erläutert.

Am Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers hielt Oberlehrer Vogel die Festrede über die Fortschritte der Physik und der physikalischen Technik in den letzten drei Jahrzehnten und über das unermüdliche Interesse Kaiser Wilhelms II. an den neuen Entdeckungen auf diesem Gebiete. Das Reformationsfest fand in üblicher Weise am 1. November statt. Oberlehrer Dr. Schroeder sprach über Erasmus. Einige Schüler trugen lateinische Gespräche des Erasmus vor. Die vom Magistrat übersandte Denkmünze erhielt der Oberprimaner Albrechtt Lange.

Am Abend des 22. Dezember fand bei brennendem Baum eine Weihnachtsfeier in der Aula statt. Außerdem wurden für die Schüler und ihre Angehörigen Lichtbildervorträge veranstaltet: am 24. April sprach Herr Missionsinspektor Knak über Mission und Kultur in Deutsch-Ostafrika, am 6. Mai Herr Dr. Brendicke über Alt-Berlin 1640 – 1890, am 29. Januar Oberlehrer Dr. Lobe über die Fahrt der Ruderriege nach Hamburg.

Vom 27. bis 30. November wurde dreimal des Sophokles Oedipus auf Kolonos in griechischer Sprache mit der Musik von Heinrich Bellermann aufgeführt. Die zahlreichen Besucher, besonders frühere Schüler des grauen Klosters, von denen manche die Erstaufführung mit den Bellermannschen Chören beim Jubiläumsfest 1874 mit erlebt hatten, erkannten freundlich die Bemühungen der Aufführenden an. Um die Inszenierung hatte sich Herr Hans Krause Verdienste erworben. Die Kosten der Aufführung bewilligte in dankenswerter Weise das Direktorium der Streitschen Stiftung. -Eine Wiederholung der Chorgesänge fand am 26. März statt. Die „Sängerfahrt“ wurde in gewohnter Weise ausgeführt. Diesmal war Rheinsberg zum Hauptquartier gewählt worden. Schloß und Park wurden eingehend besichtigt und des großen Königs gedacht, der hier wichtige Jahre der Vorbereitung verlebte.

in: Berlinisches Gymnasium zum grauen Kloster , Ostern 1914 , Jahresbericht vom Direktor Dr. Ludwig Martens , Berlin 1914 , S. 17f)







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